C/O im Amerika Haus

Die beliebteste Galerie Deutschlands hat wieder eine Heimat

Wer schon immer mal von einem berühmten Fotografen fotografiert werden wollte, hat jetzt in der Galerie C/O Berlin die Gelegenheit dazu - zumindest fast. Im gerade wiedereröffneten Kultur-Hotspot im Amerika Haus können sich die Besucher in eigens konstruierte Fotoautomaten setzen und erhalten ein Porträt im Stil von Paolo Pellegrin und Co. Doch das ist nicht alles, was sie dort erwartet.

Lange hat es gedauert bis die Berliner ihre Lieblingsgalerie zurück bekommen haben - und die Galeristen ihre Besucher. „Wir haben sie in den letzten eineinhalb Jahren schmerzlich vermisst“, sagt Stephan Erfurt, Vorstand der C/O Foundation auf der Pressekonferenz am 30. Oktober, einen Tag vor der Eröffnung. Er hatte die Galerie 1999 zusammen mit Designer Marc Naroska und Architekt Ingo Pott gegründet. Mit Ausstellungen bekannter Fotografen wie Martin Parr, Peter Lindbergh oder Herlinde Koelbl wurde der Standort im ehemaligen Postfuhramt in Berlin-Mitte immer mehr zum Besuchermagneten. Allein zur Annie-Leibowitz-Schau 2009 kamen 110.000 Menschen.

Die ganze Gegend blühte auf, das ehemalige Judenviertel Berlins wurde zum kulturellen Zentrum gleich neben der Museumsinsel.  Dann der Schock: Nach ewigem Hin und Her musste C/O Berlin das Postfuhramt im März 2013 tatsächlich räumen. Der Besitzer hatte gewechselt - und die Galerie stand ohne Galerie da. Eine lange und für das Team um Stephan Erfurt oft frustrierende Zeit der Umorientierung begann.

Von Mitte nach Charlottenburg

Im Amerika Haus nahe dem Bahnhof Zoo hat C/O Berlin nun eine neue Heimat gefunden. 2,5 Millionen Euro hat der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes gekostet, finanziert teilweise durch Crowdfunding, also private Spender. Es war 1956/57 errichtet worden, bis 2006 diente es als Informationszentrum und Begegnungsstätte. Hier sollte den Besuchern der „American Way of Life“ vermittelt werden.

Dass nun ausgerechnet Will McBride mit seiner Ausstellung „Ich war verliebt in diese Stadt“ den Anfang macht, passt perfekt zur Geschichte des Hauses. Die Fotografien stammen alle aus McBrides Berliner Zeit Ende der 50er Jahre – er war gleichzeitig der erste Fotograf, dessen Werke im Amerika Haus gezeigt wurden. Es sei ihm eine Ehre wieder dabei zu sein, sagt McBride bei der Eröffnung.

Ein Wiedersehen alter Kollegen

 „Ich bin froh, Will McBride hier zu treffen, ich kenne ihn schon lange,“ so Thomas Hoepker, dessen Arbeiten im Rahmen der aktuellen Magnum-Ausstellung zu sehen sind. Und wieder ein Anknüpfen an die Geschichte: „Es gab in Deutschland früher keinen Ort für eine Magnum-Retrospektive, deshalb haben wir damals C/O gegründet“, so Chef-Kurator Felix Hoffmann. „Und nun starten wir wieder mit Magnum.“ Die weltweit bekannteste Foto-Agentur gibt in der Ausstellung seltene Einblicke in die Arbeitsweise von Fotografen. Gezeigt werden die Kontaktbögen und damit der Prozess, wie ein so bekanntes Werk wie etwa Hoepkers 9/11-Foto entsteht. Gleichzeitig sind die Kontaktbögen inzwischen selbst Kunst - im digitalen Zeitalter schließlich obsolet geworden.

Ausstellungen:

Will McBride, Ich war verliebt in diese Stadt, 31.10.14 - 16.1.15

Magnum Contact Sheets, 31.10.14 - 16.1.15

Picture Yourself, 31.10.14 - 16.1.15

Talents 30, Arbeit am Mythos, Luise Schröder / Hannah Petersohn, 31.10.14 - 16.1.15

Täglich 11 bis 20 Uhr

10 Euro, ermäßigt 5 Euro

www.co-berlin.org

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