Die Freiheit der eingezäunten Insel

In der Retrospektive „West:Berlin – Eine Insel auf der Suche nach Festland“ spürt das Stadtmuseum dem Lebensgefühl West-Berlins zwischen 1945 und 1989 nach.

Studentenproteste, Charlottenburger Schickeria, Harald Juhnke und das Flusspferd Knautschke – sie alle gehören zum kollektiven Gedächtnis der West-Berliner. Anlässlich des Mauerfalls vor 25 Jahren nähert sich eine Ausstellung im Stadtmuseum der Geschichte der heutigen Hauptstadt während ihrer Teilung. Gezeigt werden Plakate, private Fotos, Werke Westberliner Künstler und sogar ein ausgestopfter Pandabär. Skurrile Exponate, wie das 1961 in Berlin-Wittenau hergestellte Amphicar, das sowohl zu Land als auch zu Wasser der Fortbewegung dienen sollte, oder der Büstenhalter aus Notproduktion, finden Besucher in den Räumen des Ephraim-Palais ebenfalls vor. Die Objekte sind nicht chronologisch, sondern thematisch angeordnet; unterteilt in die Bereiche Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. „Wir wollten das Lebensgefühl West-Berlins vermitteln und dem Besucher die Möglichkeit geben, sich wie ein Flaneur durch die Ausstellung zu bewegen“, erklärt Thomas Beutelschmidt, der zusammen mit Julia Novak die Ausstellung kuratierte.


Über 500 Exponate der Alltags- und Kulturgeschichte sowie mediale Inszenierungen zeigen West-Berlin zwischen 1945 und 1989. Ziel der Kuratoren war es, die Halbstadt in ihrer Gesamtheit in den Blick zu nehmen und sich nicht auf thematische Ausschnitte wie etwa die Alliierten, die Wirtschaftswunder-Jahre oder die Hausbesetzerszene zu fokussieren. All diese Ereignisse sind Teil eines großen Ganzen. Dass sei keine leichte Aufgabe gewesen, sagt Thomas Beutelschmidt, der anno ‘74 in den Westteil der Stadt zog: „Wir wollten die vielen Besonderheiten und die Heterogenität West-Berlins herausarbeiten, ohne die Stadt noch stärker zu mythologisieren, als sie es ohnehin schon wird.“


Einem Wort begegnet der Besucher beim Spaziergang durch die Geschichte jedoch immer wieder: Freiheit. Sie ist das Leitmotiv, war sie doch zentraler Aspekt in der eingezäunten Stadt. Als trotzige Ansage Richtung Osten wurde sie Teil der Freien Universität Berlin sowie des Senders Freies Berlin und findet sich auch beim Radiosender RIAS wieder, der sich als die „freie Stimme der freien Welt“ bezeichnete. Der Begriff zielt auf das demokratische Selbstverständnis der Stadt, aber auch auf die Möglichkeiten der individuellen Entfaltung und Selbstverwirklichung, die West-Berlin schon damals bot und noch heute als wiedervereinte Stadt auf einmalige Weise bietet.


„Insgesamt“, fasst Thomas Beutelschmidt die Idee hinter der Ausstellung zusammen, „wollen wir mit der multiperspektivischen ,Tour d'Horizon' die Besucher aus nah und fern, Alteingesessene und Zugereiste, Westler und Ostler einladen, sich ihr eigenes Bild zu machen und sich auf eine Spurensuche nach dem Wesen von West-Berlin zu begeben.“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 28.06.2015 im Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin-Mitte. Öffnungszeiten: Di, Do – So 10 – 18 Uhr | Mi 12 – 20 Uhr. Eintritt: 7,00 / erm. 5,00 Euro inkl. Booklet, bis 18 Jahre Eintritt frei, jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei (Booklet 3,00 Euro).


Weitere Informationen: www.west.berlin oder www.stadtmuseum.de

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