Gegensätzlich und ähnlich zugleich

Die Alte Nationalgalerie versammelt die entgegengesetzten Impressionisten und Expressionisten in einer lohnenswerten Ausstellung. Dabei zeigt sich: Beide Stile haben mehr gemein als gedacht.

Imex, Kunst, Alte Nationalgalerie, Ausstellung

Nackt sitzt die „Badende“ (1903) von Auguste Renoir auf einer weißen Decke. Ihre langen braunen Haare hält sie sich aus dem Gesicht, doch ihren Blick wendet sie schüchtern nach unten. Weich, zart, fließend – so hat der französische Impressionist ihren Körper gemalt.

Daneben hängt das Pendant des deutschen Expressionisten Max Pechstein: Sein „sitzendes Mädchen“ (1910) schaut den Betrachter direkt, beinahe provokativ, an. Dicke schwarze Konturen umrahmen ihren leuchtend gelben Körper, der förmlich „auf die Leinwand geschmissen“ ist, wie der Künstler selbst sagte. Impressionisten (wie Auguste Renoir, Edgar Degas und Claude Monet) malten ihre Eindrücke – Expressionisten (wie Ernst-Ludwig Kirchner, Franz Marc und Emil Nolde) wollten mit ihren Bildern vor allem subjektiv etwas ausdrücken. So lautet die Eselsbrücke, mit der Besucher gut durch die Ausstellung „Impressionismus – Expressionismus“ kommen.

Über Rollenbilder und das blühende Leben

IMEX, Alte Nationalgalerie

Die Schau mit ihren 160 Werken ist nicht nur eine Gegenüberstellung beider Stil-Richtungen, die sich zeitlich und räumlich überschneiden. Beide haben mehr gemein als gedacht: Beide sind Strömungen eines gesellschaftlichen Umbruchs von 1870 bis 1914, der in den Großstädten Europas seinen Anfang nahm. In Frankreich malten zunächst die Impressionisten das aufblühende Pariser Leben: die Cafés mit ihren kleinen Konzerten, die Bars und Varietés mit ihren verführerischen Tänzerinnen. Auch die Expressionisten in Deutschland waren fasziniert von den neuen Rollenbildern von Mann und Frau sowie den Verlockungen des pulsierenden Berliner Nachtlebens. Doch Impressionisten wie Expressionisten hatten ebenfalls einen starken Hang zur Natur und Darstellung des Privaten.

 Aufbruch in die Moderne

Das Ziel der Ausstellung sei es, diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede nebeneinander darzustellen, erklären Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, und Philipp Demant, Leiter der Alten Nationalgalerie. Beide Künstlergruppen arbeiteten mit der Freilichtmalerei, fokussierten sich auf ihre direkte Lebensumwelt und verstanden sich als Aufbruch in die Moderne. Nicht zufällig ist es die Alte Nationalgalerie, die beide Kunststile zeigt: Sie erwarb als erstes deutsches Museum 1896 Bilder der Impressionisten und zudem später ebenfalls expressionistische Werke. Leihgaben aus ganz Europa vereinen diese nun zu einer absolut sehenswerten Ausstellung. Unser Tipp: Planen Sie fürs Wochenende eine Stunde Wartezeit ein. Wer VIP-Karten im Internet kauft, kann die Schlange umgehen. Und wer sich den Audio-Guide gönnt, flaniert mit der sanften Stimme der Schauspielerin Natalia Wörner bestens informiert durch die Räume im zweiten Stock.

Ihr jähes Ende fanden beide Kunstrichtungen bedauerlicherweise 1914. „Auf den Einschnitt des Ersten Weltkriegs, der der Menschheit den Schleier vom Gesicht gerissen hatte, konnte das Heitere, Flüchtige und Unpolitische keine Antwort mehr sein“, so die Verantwortlichen der Ausstellung. Impressionismus und Expressionismus – sie waren überkommene Stile geworden.

Impressionismus – Expressionismus (ImEx)

Imex, Kunst

noch bis zum 20. September 2015

www.imexinberlin.de

Alte Nationalgalerie, Museumsinsel,
Bodestraße 1-3, 10178 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten:
Di, Mi, So: 10 – 18 Uhr
Do – Sa: 10 – 20 Uhr

Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro

VIP-Ticket: 30 Euro, erhältlich über www.imexinberlin.de

Fotos:

ImEX Wortbildmarke, Logo: © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

ImEx Presse Installation4: Installationsansicht Alte Nationalgalerie - © David von Becker

ImEx Presse Anzeigenmotiv 2 - Montage: Pierre-Auguste Renoir: Badende mit blondem, offenem Haar, um 1903, Detail
© Belvedere, Wien - Max Pechstein: Sitzendes Mädchen (Moritzburg), 1910, Detail
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
© 2015 Pechstein Hamburg/Tökendorf. Foto: bpk / Roman März

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