Helmut Newton: Verneigung vor der Schönheit

Lobby insinde the Helmut Newton Foundation Berlin / © Stephan Müller

Die City-West entwickelt sich zum Cluster für moderne Fotografie in Deutschland.

Neben dem C/O-Berlin ist das Museum für Fotografie der Hotspot hierfür. Es zeigt das Vermächtnis des Star-Fotografen Helmut Newton.

Stark, selbstbewusst, unabhängig – so präsentieren sich die „Big Nudes“, die Bilder der fünf nackten Frauen im Foyer des Museums für Fotografie. Ironischerweise ließ Helmut Newton sie genau an die Stelle hängen, wo einst die Offiziere in dem ehemaligen Landwehr-Kasino die Fahne hielten. Ein Schlüssel zu Newtons Lebenswerk, der seine Modelle gern mit einem Augenzwinkern in Szene setzte, gepaart mit einer Prise Nacktheit, Verruchtheit und Glamour. Helmut Newton, 1920 in Berlin als Helmut Neustädter und Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie geboren, hatte sie alle: Er lag mit Andy Warhol im Bett, stieg mit Elizabeth Taylor in den Pool, fotografierte Catherine Deneuve, während ihr ein Mann eine Waffe vors Gesicht hielt. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg floh Newton vor den Nazis über Singapur nach Australien. In seinem Gepäck: einige wenige Socken, Hemden, Anzüge – und zwei Kameras. Später ging er in die USA, von wo aus er zum Star-Fotografen der Jet-Set-Riege, Hollywood-Traumfabrik und Mode-Cover avancierte.

Sein Vermächtnis präsentiert das Museum für Fotografie genau an der Stelle, am Bahnhof Zoo, den er als letztes von Berlin in Erinnerung hatte, so eine Anekdote. In der „Permanent Loan Selection“ hängen räumlich von einander getrennt Porträts, Akt- und Modeaufnahmen. Der Kaisersaal der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek darüber vereint ausgewählte Bilder des 19. und 20. Jahrhunderts: ab 24. April 2015 die Aufnahmen des Kölner Fotografen Willy Maywald, einem der wichtigsten Fotografen im Paris der 1930er bis 1960er-Jahre.

Mehr als 1,3 Millionen Besucher haben das Haus seit seiner Eröffnung 2004 besucht, berichtet die Helmut-Newton-Stiftung. Nur Newton selbst war kurz zuvor durch einen Autounfall tragisch ums Leben gekommen. Mehr als 100 Poster, zahlreiche Publikationen sowie die Wechselausstellung im ersten Stock mit 200 Fotografien offenbaren seine beeindruckenden Aktbilder und Porträts. Eine Verneigung vor der weiblichen Schönheit. Eine Huldigung männlichen Ruhms in der Popkultur.

Die Stiftung ist zuversichtlich, dass der Besucherstrom auch in nächster Zeit nicht abreißen wird. Dafür arbeite man eng mit der zweiten Foto-Institution im Haus und mit dem neuen Nachbarn, dem C/O Berlin, zusammen, sagt Sprecherin Nadine Dinter. Derzeit entstehe in der City-West ein Foto-Cluster, der in Deutschland seinesgleichen sucht.

Immer wieder gelingt ein neuer Besucher-Anreiz durch Wechselausstellungen mit Zeitgenossen Newtons, im Sommer 2015 zum Beispiel Frank Horvat und Szymon Brodziak. "Wir haben noch nicht alle Newton-Schätze gehoben", verspricht die Helmut Newton Foundation und fügt hinzu: "Insofern wird es auch in Zukunft noch viele bislang nie gezeigte Werke geben."

Museum für Fotografie
Jebensstraße 2
10623 Berlin (Rückseite des Bahnhof Zoo)

http://www.berlin.

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