Vom Wasser aus neue Perspektiven entdecken

Berlin liegt zwar nicht am Meer, ist aber dennoch nah am Wasser gebaut. Wasserflächen machen satte sieben Prozent des Stadtgebiets aus. Die Uferlänge aller Flüsse, Seen und Kanäle Berlins beträgt mehr als 600 Kilometer, auf mehr als 180 Kilometern Länge ist das weit verzweigte Wasserstraßennetz schiffbar. Da bietet es sich geradezu an, die Stadt vom Wasser aus zu erkunden. Also nichts wie rauf auf eines der 130 Fahrgastschiffe der „Weißen Flotte“, die von rund 50 Berliner Anlegern aus „in See stechen“ und auf 30 Routen über Spree, Havel, Dahme und Kanäle schippern. 

 

Die klassische Sightseeing-Schnuppertour ist die einstündige „Historische Stadtrundfahrt“ auf der Spree. Gemütlich bei einem kühlen Getränk an Deck sitzend lassen die Passagiere das Haus der Kulturen der Welt (im Volksmund „Schwangere Auster“ genannt), das Regierungsviertel mit dem Kanzleramt, den 2006 zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland für 1,2 Milliarden Euro fertiggestellten Hauptbahnhof und den 1893 bis 1905 im Stil der italienischen Hochrenaissance erbauten Berliner Dom an sich vorbeiziehen. Während auf der Friedrichstraße das Leben pulsiert, nehmen die Touristen an Bord Kurs auf Museumsinsel und Nikolaiviertel – das Plattenbauviertel der etwas anderen Art. Im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, wurde es in den 1980er-Jahren zur 750-Jahr-Feier Berlins wieder aufgebaut. Zwar meist in Plattenbauweise, aber dennoch wurden die Fassaden den historischen Gebäuden nachempfunden.

Zu kurz, um das Sightseeing vom Wasser aus wirklich genießen zu können? Dann ist vielleicht die dreistündige Spreefahrt das Richtige. Über Regierungsviertel und historische Mitte hinaus fährt das Schiff dann bis zur East Side Gallery an der ehemaligen Mauer östlich des Zentrums und in Richtung Westen bis zum Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten.     

Die Kurz-Trips starten von den Anlegestellen Friedrichstraße, Nikolaiviertel, Kanzleramt oder Alte Börse aus enden auch jeweils wieder dort, Kosten: ab 10 Euro. Die längeren Spreefahrten beginnen (je nach Reederei) u. a. an der Schlossbrücke in Charlottenburg, an der Jannowitzbrücke oder am Treptower Hafen und kosten um die 20 Euro.

 

Unter mehr als 60 der 1.000 Berliner Brücken hindurch schippern Passagiere bei der Brückentour – der 23 Kilometer langen Kreuzfahrt über Spree und Landwehrkanal. Bei der drei- bis vierstündigen Fahrt (die Zeiten variieren je nach Reederei) können die Passagiere die moderne Berliner Architektur  ebenso auf sich wirken lassen wie den altehrwürdigen Berliner Dom. Und während auf dem zwölf Kilometer langen Landwehrkanal mit seinen niedrigen Brücken die Passagiere an Deck so manches Mal den Kopf einziehen müssen, schippern sie unter anderem an der 1901 gegründeten Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau mir ihren riesigen rosaroten Röhren vorbei, am Bendlerblock, dem heutigen Sitz des Verteidigungsministeriums, an Neuer Nationalgalerie, Staatsbibliothek und Technikmuseum – deutlich zu erkennen an dem über dem Neubau schwebenden „Rosinenbomber“. Etwas mehr Romantik gefällig? Dann „Leinen los“ zur abendlichen Brückenfahrt.

Die Brückenfahrt als Rundtour kann an verschiedenen Anlegestellen begonnen und beendet werden, es geht im Uhrzeigersinn durch Berlin. Kosten: etwa 20 Euro. 

 

Soll die pure Erholung im Vordergrund stehen, empfiehlt sich die zweistündige Sieben-Seen-Rundfahrt. Los geht’s von der Anlegestelle Wannsee aus über Großen und Kleinen Wannsee, Pohlsee, Stölpchensee, Griebnitzsee und Glienicker Lake zum Jungfernsee und über die Havel zurück zum Wannsee. Es geht vorbei an Villenkolonien – zu sehen sind die einstigen Villen des Malers Max Liebermann am Westufer des Wannsees, des Verlegers Carl Langenscheidt, des Fabrikanten Herz oder des Bankiers Arons ebenso wie das Haus der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Auf der Fahrt über den Griebnitzsee sehen die Passagiere das Schloss Babelsberg, einst Sommersitz von Kaiser Wilhelm I. und Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes, ebenso wie die früheren Domizile von Ufa-Filmstars wie Heinz Rühmann, Anni Ondra oder Lilian Harvey in Neu-Babelsberg. Und bevor schließlich der Jungfernsee erreicht ist, unterquert das Schiff die Glienicker Brücke – auf der im Kalten Krieg Agenten die Seiten wechselten.      

Die Tour startet und endet an der Anlegestelle Wannsee und kostet um die 10 Euro.

 

Eine Vielzahl von Touren bieten an (Auswahl):

 

Stern und Kreisschiffahrt 

www.sternundkreis.de

Reederei Riedel  

www.reederei-riedel.de

Reederei Bruno Winkler

www.reedereiwinkler.de

Berliner Wassertaxi-Stadtrundfahrten

www.berliner-wassertaxi.de

Berliner Wassersport und Service GmbH

www.bwsg-berlin.de

Reederei Grimm & Lindecke

www.spreehavelschiffahrt.de

 

Insgesamt gibt es um die 50 Anleger der Personenschifffahrt in Berlin.

Zentrale Anlegestellen sind beispielsweise:

Anlegestelle Alte Börse, S-Bahn-Station Hackescher Markt

Anlegestelle Hafen Treptow, Puschkinallee, S-Bahn-Station Treptower Park

Anlegestelle am Bahnhof Wannsee, Königstraße, S- und DB-Bahnhof Wannsee

Anlegestelle Märkisches Ufer / Jannowitzbrücke, S- und U-Bahn-Station Jannowitzbrücke  

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